Folge 68 – Wie sich Doppelbuchungen technisch verhindern lassen

Shownotes

Zu den alltäglichen Katastrophen, die man in der Urlaubszeit gerne vermeiden möchte, gehören doppelt gebuchte Ferienwohnungen oder andere Unterkünfte. Auch im Inneren von Computer sind 'Doppelbuchungen' möglich (und unerwünscht), nämlich wenn zwei oder mehr Programme mehr oder weniger gleichzeitig auf eine sogenannte Ressource zugreifen möchten, die aber nur einmal existiert.

In der 68. Folge von Informatik für die moderne Hausfrau beschäftigen wir uns mit Mechanismen, die unter anderem fehlerhafte Daten und andere Probleme verhindern sollen, die durch solche Situationen verursacht werden können. Außerdem blicken wir auf Evelyn Berezin, zu ihrer Zeit eine der 100 erfolgreichsten Geschäftsfrauen der USA, die ganz ähnliche Prinzipien anwendete, um Ende der 1950er-Jahre ein Buchungssystem für American Airlines zu entwerfen.

Um die Folge besser verstehen zu können, lohnt es sich, zunächst eine dieser Folgen anzuhören:

Darüber hinaus wurde erwähnt:

Fotos der Data Secretary findet ihr hier: https://www.computerhistory.org/collections/catalog/102728582/?media=132460

Ein ausführliches Interview mit Evelyn Berezin könnt ihr euch über den Katalog des Computer History Museum anschauen: https://www.computerhistory.org/collections/catalog/102746875/

Evelyn Berezins Eintrag in der National Inventors Hall of Fame könnt ihr hier nachlesen: https://www.invent.org/inductees/evelyn-berezin

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Dieser Podcast wird gefördert durch das Kulturbüro der Stadt Dortmund.

Transkript anzeigen

00:00:14: Informatik für die moderne Hausfrau.

00:00:16: Der Podcast von Mit und Überfrauen im Informatikum mit Lea Schönberger.

00:00:28: Herzlich willkommen zur altundsechzigsten Folge von Informatika für die Moderne Haus-Frau!

00:00:35: Schön, dass ihr reinhört.

00:00:39: Aktuell ist ja Urlaubszeit und das heißt einige von euch gehören sich diese Folge vielleicht an während sie gerade irgendwo am Strand liegen oder irgendwas anderes Entspannendes machen.

00:00:50: Eventuell gehört ihr aber auch zu denen, die sich bislang noch gar keine Gedanken über mögliche Reiseziele gemacht haben.

00:00:56: Vielleicht auch einfach deshalb weil es euch aktuell nicht möglich ist wegzufahren!

00:01:01: Es kann natürlich auch sein dass ihr das mit dem Urlaub so handhabt wie ich es häufig mache – auch wenn sich das bei mir meistens auf berufliche Reisen bezieht….

00:01:10: Ihr schaut erst Last-Minute nach einer Unterkunft.

00:01:13: Das ist nämlich hin und wieder deutlich günstiger.

00:01:16: Genau aus diesem Grund mache ich das normalerweise auch.

00:01:19: Ich bin nämlich ziemlich viel unterwegs, zum Beispiel um Interviews aufzunehmen, um Vorträge zu halten oder um irgendwelche anderen Termine wahrzunehmen und wenn sich da die Kosten reduzieren lassen dann ist es natürlich super!

00:01:33: Auch wenn man mit so einer Last-minute Buchung Geld sparen kann, ist sie natürlich mit einer gewissen Menge Stress verbunden denn Ganz kurzfristig ist ja in der Regel nicht mehr so viel frei und es sind ja durchaus noch andere Menschen auf der Suche, die denselben Einfall hatten.

00:01:50: Trotz dieser Konkurrenzsituation nimmt zumindest ich mir immer noch ein bisschen Zeit um ihren Überblick zu verschaffen bzw.

00:01:57: um die verschiedenen Unterkünfte zu vergleichen und Bewertungen zu lesen.

00:02:01: Denn Abstriche bei sowas wie der Sauberkeit möchte ich jetzt nicht unbedingt machen!

00:02:07: Wenn ihr euch dann durchgearbeitet habt, eure Lieblingsunterkunft gefunden habt und die dann endlich buchen wollt, kann es schon mal passieren dass sie plötzlich nicht mehr verfügbar ist.

00:02:18: Weil nämlich irgendeine andere Person euch die vor der Nase weggeschnappt hat!

00:02:23: Das ist natürlich ziemlich ärgerlich und sollte idealerweise nicht passieren... Denn zumindest auf der Buchungsplattform, auf der ihr gerade unterwegs seid, da wird normalerweise das Zimmer oder die Ferienwohnung für die ihr den Buchungsprozess angestoßen habt eine gewisse Zeit lang für euch reserviert.

00:02:41: Ihr kennt das sicher auch von Seiten, auf denen ihr Konzerttickets kaufen könnt – da habt ihr meistens so fünfzehn Minuten um den Kauf abzuschließen!

00:02:50: Weil nun aber viele Unterkünfte ihre Angebote auf unterschiedlichen Plattformen einstellen und die sich nicht alle permanent über den Buchungsstatus austauschen, kann es natürlich sein dass jemand auf einer anderen Buchungsplattform schneller war als ihr.

00:03:04: Was eure Buchungsplatform dann aber zum Glück noch rechtzeitig gemerkt hat!

00:03:10: Dass es solche, ich sag mal Sicherheitsmechanismen gibt bzw.

00:03:14: dass Vorkehrungen getroffen werden damit nicht mehrere Personen auf eine Sache zugreifen die aber nur einmal vorhanden ist beziehungsweise die eben nur von einer Person gleichzeitig sinnvoll benutzt werden kann wie eben ein Hotelzimmer.

00:03:29: das ist schon ziemlich praktisch.

00:03:31: und tatsächlich ist es so das genau dieses Problem und auch die Mechanismen, mit denen Schaden abgewendet wird nicht nur für solche lebenspraktischen Anwendungen existieren sondern auf einer ganz technischen Ebene.

00:03:44: Nämlich im Inneren von Computern bzw.

00:03:47: von allen anderen möglichen Geräten wo heute ein Computer drin steckt also zum Beispiel in eurem Smartphone, in Smart Home-Geräten, in Wearables oder an eurem Auto.

00:03:58: Dabei merken wir als Nutzerinnen normalerweise gar nichts davon Und das, obwohl diese Vorkehrungen wahnsinnig wichtig dafür sind, dass Programme und auch ganze Systeme richtig funktionieren.

00:04:11: Um das ein bisschen besser zu verstehen, schauen wir uns in dieser Folge genau dieses Problem an – nämlich dass mehrere Akteurinnen um eine sogenannte Ressource konkurrieren!

00:04:22: Wir werfen übrigens auch noch einen Blick auf die Frau, die das erste Buchungssystem für eine Airline entworfen hat aber dazu später mehr….

00:04:32: Also Ich habe in einigen Folgen schon darüber gesprochen, wie Computerprogramme ausführen bzw.

00:04:38: wie vor allem ältere Computer das gemacht haben – deshalb hier nur in aller Kürze!

00:04:44: So ein normaler Prozessor kann immer nur eine Aufgabe nach der anderen bearbeiten und nicht mehrere gleichzeitig.

00:04:53: Deshalb werden Programme üblicherweise der Reihe nach abgearbeitet.

00:04:58: Wenn jetzt trotzdem mehrere Programme gleichzeitig ausgeführt werden sollen, dann wechseln die sich sozusagen ab.

00:05:05: Also es wird immer ein kleines Stückchen von einem Programm ausgeführt und dann eins von einem anderen Programm usw.

00:05:13: Wie genau und in welcher Reihenfolge?

00:05:16: dafür gibt es Regeln das sogenannte Scheduling?

00:05:19: Das muss uns an dieser Stelle aber nicht weiter interessieren!

00:05:23: Wenn euch das jetzt alles völlig neu ist, dann hört euch doch am besten zuerst eine andere Folge an wo ich es ausführlicher erklärt habe.

00:05:49: Die Folgen habe ich euch auch noch mal in den Show Notes verlinkt, damit ihr die schneller findet und damit diese Folge ein kleines bisschen leichter zu verstehen ist.

00:06:00: Wir wollen uns ja jetzt mit dem Fall beschäftigen, dass mehrere AkteurInnen gleichzeitig auf etwas zugreifen!

00:06:07: Und da stellt sich natürlich die Frage – was IST dieses Etwas?

00:06:10: Und wer sind die

00:06:11: Akteurennen?!

00:06:13: Ganz einfach…die Akteuroinnen sind Programme!

00:06:17: Und dieses Etwas, das kann zum Beispiel der Speicher sein.

00:06:21: Der ist nämlich eine geteilte Ressource.

00:06:23: Das heißt er kann prinzipiell von allen Programmen benutzt werden und es nicht irgendwie Privatspeicher nur für ein bestimmtes Programm.

00:06:32: Wenn ihr allerdings bis hier gut zugehört habt dann denkt ihr euch jetzt möglicherweise he?

00:06:37: Lea du hast doch gerade gesagt so einen Prozessor!

00:06:40: Der kann nur ein Programm auf einmal ausführen.

00:06:43: Und wenn nur ein Programm auf einmal ausgeführt wird, dann kann doch eigentlich auch nur ein Programm auf einmal auf den Speicher zugreifen.

00:06:51: Oder?

00:06:52: Ja das ist ein berechtigter Einwand – das stimmt aber nur so halb!

00:06:57: Denn es hängt von zwei Faktoren ab nämlich einmal davon ob wir tatsächlich nur einen Prozessor haben und einmal davon was wir eigentlich unter gleichzeitig verstehen In der Informatik.

00:07:10: da gibt es den Begriff der sogenannten Nebenläufigkeit Diese Nebenläufigkeit, die bedeutet dass zwei oder mehr Programme – oder sogar Teile von Programmen – nebeneinander ausgeführt werden.

00:07:23: Also man sagt dann, sie sind nebenläufig.

00:07:26: Nebeneinander.

00:07:27: das kann heißen parallel und das geht wenn wir mehr als einen Prozessor haben also bei moderneren Computern.

00:07:35: Das muss aber nicht heißen Parallel!

00:07:38: Denn auch wenn wir nur einen Prozessor haben und Programme sich in der Ausführung abwechseln dann sind diese Programme nebenläufig.

00:07:46: Das liegt ganz einfach daran, dass die mal angefangen wurden aber nicht vollständig ausgeführt, also beendet wurden!

00:07:54: Es gibt also potenziell eine ganze Menge Programme, die quasi halbfertig irgendwo geparkt wurden und darauf warten, dass sie weitermachen können.

00:08:03: Und dieses Warten ist übrigens ein gutes Stichwort.

00:08:07: Stellen wir uns mal all einfaches Beispiel vor – also nehmen wir mal ein Programm A des irgendwas berechnet.

00:08:13: Vielleicht haben wir gerade Geld abgehoben und das Programm möchte den Kontostand aktualisieren.

00:08:19: Dazu hat es grade den ursprünglichen Konto-Stand aus dem Speicher geladen, eine einfache Subtraktion durchgeführt – also den neuen Konto Stand berechnet – und schon mal als Zwischenergebnis irgendwo abgespeichert!

00:08:33: Und jetzt möchte ist der Konto stand final aktualisierung.

00:08:37: Bevor's das machen kann wird es aber von einem anderen Programm unterbrochen.

00:08:41: nennen wir das mal Program B. Vielleicht, weil Programm B eine höhere Priorität hat – also wichtiger ist oder vielleicht, weil sich alle Programme gleichmäßig abwechseln.

00:08:52: Also immer in gleichlangen Stücken ausgeführt werden und Programm A einfach seine Zeit ausgeschöpft hat!

00:08:59: Dass es beides möglich ist ja aber auch gar nicht so wichtig.

00:09:03: wie gesagt für sowas hört euch gerne die Scheduling-Folgen an.

00:09:08: Jedenfalls, Programm B unterbricht jetzt Programm A Und Programm B, das ist vielleicht eine Lastschrift-Operation.

00:09:15: Also irgendein Unternehmen bucht was von eurem Konto ab!

00:09:19: Deshalb führt Programm B jetzt auch eine Berechnung durch und aktualisiert tatsächlich den Kontostand.

00:09:26: Der Kontoststand ist also der ganz ursprüngliche Wert minus das, was über die Lastschrifft abgebucht wurde.

00:09:34: Weil Programm B fertig ist, ist Programm A wieder dran – es hatte nämlich darauf gewartet, dass es wieder an der Reihe Und es macht jetzt genau da weiter, wo's aufgehört hatte.

00:09:44: Es nimmt nämlich das Zwischenergebnis, dass es sich abgespeichert hat und aktualisiert damit den Konto-Stand.

00:09:51: Das heißt der Kontostand ist jetzt der ganz ursprüngliche Wert minus das abgehobene Geld!

00:09:59: Die Last schrift wurde jetzt aber gar nicht berücksichtigt weil Programm A ja mit einem älteren Wert gearbeitet hat und sozusagen gar nichts davon wusste... ...und deshalb haben wir jetzt ein Problem.

00:10:10: Die Daten sind nämlich nicht korrekt.

00:10:14: Genauso kann es übrigens gehen, wenn zwei tatsächlich parallele Programme gleichzeitig und unabhängig voneinander auf eine bestimmte Stelle im Speicher zugreifen – dann können wir zum gleichen falschen Ergebnis kommen!

00:10:28: Wir sehen also, Nebenläufigkeit von Programmen kann zu Problemen führen, wenn die Programme auf geteilte Ressourcen zugreift.

00:10:37: Man spricht hier auch von Race-Conditions, denn die Programme liefern sich sozusagen ein Wettrennen beziehungsweise das Ergebnis.

00:10:45: Also zum Beispiel das was im Speicher drin steht – das hängt am Ende davon ab welches Programm zuerst mit dem Zugriff an der Reihe ist und welches zuletzt?

00:10:55: Natürlich möchte man solche Probleme und Inkonsistenzen vermeiden und wenn man etwas dagegen machen möchte dann muss man sich erst mal angucken wo genau eigentlich das Problem liegt!

00:11:07: Wenn wir noch mal zu unserem Beispiel zurückgehen, dann sehen wir dass das größte Problem eigentlich ist.

00:11:13: Das Programm A unterbrochen wurde während es gerade mit was Wichtigem beschäftigt war also mit einer zusammenhängenden Reihe von Operationen an deren Ende es eben den Kontostand in den Speicher geschrieben hat.

00:11:27: Wäre es in dieser Phase nicht unterbrochene worden Dann hätten wir am ende auch keine falsche Daten gehabt solche Ich sag mal, wichtigen Phasen in der Programmausführung die eben zum Beispiel mit Speicherzugriffen zusammenhängen.

00:11:42: Die nennt man kritische Abschnitte und wenn man verhindern möchte dass solche Dinge passieren wie an unserem Beispiel dann braucht man eine Art Sicherheitsmechanismus.

00:11:53: dafür gibt es unter anderem den sogenannten Mutex.

00:11:56: das ist eine Kurzform von Mutual Exclusion also gegenseitiger Ausschluss.

00:12:02: Man könnte sagen, das ist so eine Art exklusive Reservierungsmöglichkeit und die kann ein Programm beim Betriebssystem anfragen.

00:12:10: Wenn es nämlich mit einem kritischen Abschnitt beginnen möchte dann kann es sagen ich hätte jetzt gerne den Mutex!

00:12:17: Und wenn das Betriebsystem sagt geht klar?

00:12:20: Dann sagt es quasi gleichzeitig zu allen anderen Programmen ihr lasst jetzt schön die Finger von der Ressource.

00:12:27: Damit das funktioniert, müssen Programme sich nicht einfach nur die Erlaubnis holen wenn sie eine bestimmte Ressource benutzen wollen sondern generell wenn Sie in einen kritischen Abschnitt gehen wollen.

00:12:38: Und wenn das Betriebssystem sagt nee jetzt nicht dann müssen Sie eben warten!

00:12:44: So wird nicht nur sichergestellt dass nur ein Programm gleichzeitig auf eine bestimmten Ressource zugreift sondern auch dass nur Einprogramm auf einmal im kritischen Abschnitt ist Damit das auch tatsächlich funktioniert und nicht doch irgendwann der Fall auftritt, dass ein Programm während dieses, ich sag mal, Mutex-Anfrageprozesses von einem anderen Programm unterbrochen wird – sodass am Ende vielleicht doch wieder zwei Programme in ihren kritischen Abschnitten sind.

00:13:12: Dafür gibt es die sogenannten atomaren Operationen!

00:13:17: Der Begriff verrät im Grunde schon was Sache ist, Atomar heißen sie nämlich deshalb weil man sich nicht voneinander trennen darf….

00:13:24: Die müssen also in einem Rutsch ausgeführt werden und das Programm kann dann in dieser Zeit eben nicht von anderen Programmen unterbrochen werden.

00:13:33: Ganz kurz zur Erinnerung, Atome heißen ja auch Atome weil Atomos im Altgriechischen unserteilbar heißt.

00:13:40: und wenn man damals eben dachte atome kann man nicht weiter zerkleinern aber dass nur am Rande so eine atomare Operation.

00:13:49: Die findet statt, wenn ein Programm einen Mutex beim Betriebssystem anfragt.

00:13:55: Dann ist nämlich erst wieder ein anderes Programm an der Reihe, wenn das erste Programm eine Antwort bekommen hat – also entweder ein geht klar oder ein ne jetzt nicht!

00:14:06: Solche atomaren Operationen spielen übrigens auch in Bezug auf Datenbanken eine Rolle.

00:14:12: Aus genau denselben Gründen wie hier, da möchte man nämlich auch, dass am Ende alles korrekt ist….

00:14:19: Über Datenbanken habe ich in Folge neunzehn mit meiner Gästin Dörte Weber gesprochen.

00:14:23: Um atomare Operationen ging es da zwar nicht, aber vielleicht wollt ihr trotzdem mal reinhören.

00:14:31: Möglicherweise ist euch inzwischen aufgefallen das was bei der Ausführung von Programmen passiert also der Mutex als eine Art Sicherheitsmechanismus?

00:14:40: Das ist im Grunde gar nicht so viel anders als dass was wir ganz zu Beginn besprochen hatten!

00:14:46: nämlich die Buchung von Hotelzimmern und anderen Unterkünften.

00:14:50: Auch da geht es ja schlussendlich darum, dass mehrere Personen auf dieselbe Ressource zugreifen wollen und auch da findet in der Regel eine Art Mutual Exclusion statt!

00:15:02: Die dauert allerdings im Gegensatz zu Programmen und ihren kritischen Abschnitten nicht nur ein paar Mikro- oder Millisekunden sondern mehrere Minuten um eben wie ganz zu Anfang geschildert Doppelbuchungen zu vermeiden.

00:15:15: Dass es solche Mechanismen bei Buchungsprozessen gibt, das war übrigens nicht immer so.

00:15:21: Ganz früher und mit ganz früher meine ich die neunzehnfünfziger Jahre – da war das alles noch ein ganz großes Chaos!

00:15:28: Da wurden Buchungen vor allem Flugbuchungen aber auch noch ohne Computer abgewickelt.

00:15:34: Tatsächlich wurden zum Teil die Daten- und Buchungsstände auf Kreidetafeln verwaltet und neue Anfragen, Aufträge- und Stornierungen die kamen über Telefon-, Überbrief oder eine Reihe von Mittelsmännern rein.

00:15:48: Revolutioniert hat das Ganze eine Frau nämlich Evelyn Barrison.

00:15:53: Die hatte nämlich Ende der neunzehntfünfziger Jahre das erste verlässlich funktionierende verteilte Flugbuchungssystem entworfen – und zwar für American Airlines.

00:16:03: Wie es dazu kam?

00:16:04: Das schauen wir uns jetzt noch an!

00:16:07: Die wurde nineteenhundertfünfundzwanzig als Tochter jüdischer Immigrantinnen aus Russland in New York City geboren und fuchs dort in einer Familie aus der Arbeiterklasse auf.

00:16:19: Tatsächlich hatten ihre Eltern fast gar keine Schulbildung genossen, das führte einerseits dazu dass Evelyn komplett auf sich alleine gestellt und aus intrinsischer Motivation heraus ihre Bildungslaufbahn bewältigte aber hatte andererseits auch den Vorteil des ihrer Eltern sie nicht daran hinderten für sick zu studieren was für Frauen als eher unpassend galt, aber sie wussten schlicht und einfach nicht, was das ist.

00:16:44: Ihre Begeisterung für die Physik, die entdeckte Evelyn über die Science-Fiction.

00:16:49: Ihr älterer Bruder, der kaufte nämlich regelmäßig das Magazin Astounding Science Fiction – das tatsächlich nicht nur Fiction sondern auch ein bisschen Science enthielt!

00:17:01: Weil sie in der Schule ziemlich gut war, konnte Evelyn schon mit sechzehn Jahren ans College wechseln und zwar ans Hunter-College.

00:17:08: Das war öffentlich und daher zu dieser Zeit kostenlos.

00:17:12: Allerdings war es auch ein Frauencollege, das bedeutete nach für sechs suchte man dort eher vergeblich.

00:17:19: Deshalb schrieb sie sich zunächst für Wirtschaft ein bis am siebten Dezember nineteenhundertundvierzig etwas passierte, dass nicht nur die Welt sondern auch Evolins Leben drastisch veränderte.

00:17:31: Japan griff Pearl Harbor an und die USA traten in den Zweiten Weltkrieg ein.

00:17:37: Plötzlich wurden massenhaft junge Männer für den Kriegsdienst eingezogen und das hatte zur Folge, dass die eher technischen Colleges-und Universitäten, die Männern vorbehalten waren, den Großteil ihrer Studierenden verloren.

00:17:51: Daraufhin taten sie sich zusammen – also die Collegies und Universitäten ganz egal ob öffentliche oder private -, sodass man unabhängig davon wo man eingeschrieben war überall Kurse besuchen konnte!

00:18:05: Und so kam es, dass Evelyn Mathematikkurse am Brooklyn Polytechnic Institute hatte, Physik- und Chemiekurse an der New York University – und alles andere weiter am Hunter College.

00:18:17: Durch ein Stipendium konnte sich schließlich komplett an die New York university wechseln, sich für Physik einschreiben und dort auch ihren Bachelorabschluss machen… übrigens als erste Frau!

00:18:29: Zeitgleich mit diesem Zusammenschluss der Colleges & Universitäten wurde er außerdem einen Job angeboten und zwar als Technikerin in einer Forschungseinrichtung in Manhattan.

00:18:39: Bis dahin waren dort nämlich nur junge Männer angestellt gewesen, für die suchte man gerade dringend Ersatz!

00:18:46: Eigentlich hätte sie mit sechzehn noch gar keinen Job annehmen dürfen aber sie machte sich einfach zwei Jahre älter.

00:18:53: Bis zu ihrem Abschluss arbeitete sie dann tagsüber in Vollzeit zum Teil auch Samstags und nutzte den Rest des Tages zum Studieren.

00:19:02: Nach ihrem Abschluss bekam sie ein weiteres Stipendium, nämlich für die Graduate School.

00:19:07: Es ist quasi so eine Art Kombination aus Masterstudium und Promotion.

00:19:12: Dadurch konnte sie einige Jahre lang im Bereich der Atomphysik forschen.

00:19:17: Zwischenzeitlich – unter Wasser schon in deiner Zeit – hat sie geheiratet!

00:19:22: Und es ist deshalb relevant weil ihr Mann gerne mit ihr nach Israel bzw.

00:19:27: Palästina ziehen wollte….

00:19:29: Dafür brauchten sie allerdings dringend mehr Geld und Evelyn sah sich entsprechend nach einem Job um.

00:19:36: Das Problem dabei?

00:19:37: Mit ihrer Promotion war sie noch nicht fertig, Sie hatte auch viel zu wenige Ergebnisse, um sie zeitnah abschließen zu können – und beides gleichzeitig.

00:19:46: also arbeiten und promovieren, das ging einfach nicht!

00:19:50: Also brach sie ihre Promotion ab und landete über einen Headhunter in einem Computer-Unternehmen.

00:19:56: Das genau genommen noch ein Startup war, nämlich bei der Electronic Computer Corporation oder kurz ELECOM.

00:20:03: Mit Computern hatte sie eigentlich noch nie was zu tun gehabt aber sie war schließlich Physikerin und kannte sich entsprechend mit Elektrotechnik und mit der Theorie dahinter aus.

00:20:15: Alacom, die einen neuen Computer entwickeln wollten, brauchten glücklicherweise genau so jemanden und so wurde sie als Logikentwicklerin eingestellt.

00:20:24: Also als diejenige, die die ganzen Schaltungen beziehungsweise Hardware entwickelt hat!

00:20:30: Bei Alaccom blieb sie einige Jahre und arbeitete an ganz unterschiedlichen Projekten – bis nineteenhundertsiebenundfünfzig des Unternehmens verkauft wurde und daraufhin Pleite ging.

00:20:42: Schon bald hatte sie aber einen neuen Job, nämlich bei Teller Register – einem Unternehmen in Connecticut die auch Computer entwickeln wollten.

00:20:49: Aber weder Erfahrung noch das technische Know-how dafür hatten!

00:20:54: Sie hat sich dann ein paar Leute aus der Firma geschnappt, die einigermaßen Ahnung hatten und hat ihnen beigebracht wie denn Elektronikentwicklung überhaupt funktioniert?

00:21:05: Mit diesem Team hat sie anschließend unterschiedliche Projekte umgesetzt, unter anderem haben Sie ein Computersystem für Banken und eines für die amerikanische Börse entwickelt.

00:21:16: Dabei hatten sie das große Glück dass sie nicht mehr mit Elektronenröhren arbeiten mussten wie Evelyn es noch bei Alacom getan hatte sondern dass inzwischen Transistoren also deutlich kleinere und zuverlässigere Bauteile verfügbar waren.

00:21:31: Über diese Evolution von Computerbauteilen, darüber hatte ich übrigens auch schon in Folge dreieundfünfzig gesprochen.

00:21:39: Nachdem die zwei Projekte abgeschlossen waren, stand da nineteenhundertdachundfünftig United Airlines auf der Matte und wollte das Teleregister des besagten Flugbuchungssystem für sie entwickelt.

00:21:51: Das sollte aber nicht einfach irgendein Computer sein sondern ein verteiltes System mit Terminals in sechszig Städten aber sozusagen dem Zentralkomputer in Denver.

00:22:03: Und dabei stand Evelyn Barrison vor genau den Herausforderungen, die wir schon besprochen haben.

00:22:09: Sie musste nämlich sicherstellen, dass in diesem Zentrarkomputer immer die richtigen Datenvorlagen und nicht etwa die Buchungen aus einer Stadt, die aus einer anderen Stadt überschrieben oder geändert haben!

00:22:21: Wie genau sie das gelöst hat, da schauen wir jetzt nicht im Detail drauf... Aber ich will noch ein paar Worte zu diesem Zentralkomputer sagen.

00:22:30: Mit ihren Designentscheidungen, damit hat sie nämlich etwas vorweggenommen was heute normal ist damals aber noch neu war.

00:22:37: Nämlich die sogenannte Triple Modular Redundancy.

00:22:41: Das bedeutet dass man in Systemen wichtige, ich sag mal Funktionseinheiten mehrfach verbaut mindestens drei Mal und das die unabhängig voneinander funktionieren.

00:22:53: Das macht man zum Beispiel in Flugzeugen, in der Raumfahrt oder auch bei anderen kritischen Anwendungen.

00:23:00: Dadurch kann man nämlich sicherstellen dass das System selbst wenn eine dieser Komponenten ausfällt korrekt und sicher weiter funktioniert.

00:23:09: Nach diesem Prinzip hat Evelyn den Zentralkomputer in Denver konstruiert der nämlich eigentlich aus drei Computern bestand.

00:23:17: Wenn einer davon ausgefallen ist, dann konnte man den reparieren oder den Fehler beheben ohne dass man sich Sorgen um das Gesamtsystem machen musste.

00:23:26: Und das hat sehr gut funktioniert!

00:23:28: In den elf Jahren die das Buchungssystem in Betrieb war.

00:23:31: da ist es nämlich nie komplett ausgefallen.

00:23:36: Damit ist die Geschichte von Evelyn Barrison aber noch längst nicht zu Ende erzählt.

00:23:42: Als sie mit dem Projekt für United Airlines fertig waren, da wollte Evelyn sich wieder nach einem neuen Job umsehen – einfach um weniger weit weg von New York zu arbeiten.

00:23:51: Da wohnte sie nämlich inzwischen mit ihrem Mann, das mit dem Umzug nach Israel bzw.

00:23:56: Palästina hatte sich inzwischen erledigt.

00:24:00: Netterweise hat der Vice-President von Teller Register ihr einen Vorstellungsgespräch an der New Yorker Börse organisiert.

00:24:07: Das lief auch sehr gut Aber schlussendlich ist sie daran gescheitert, dass der Vorstand einfach keine Frau einstellen wollte.

00:24:16: So ist sie dann zunächst bei Digitronics gelandet, einem Unternehmen, das ein paar ehemalige Mitarbeiter von Alekom gegründet hatten und hat dort ein System für das Wettbüro einer Pferderennbahn entwickelt.

00:24:29: In der Zwischenzeit hatten ihr ein paar Ehemaligen Kollegen auch noch aus der Zeit von Alecom die inzwischen alle eigene Unternehmen gegründe hatten Unabhängig voneinander geraten, mach es doch wie wir und gründe selbst dein eigenes Business.

00:24:44: Denn anders kommst du in dieser frauenfeindlichen Arbeitswelt wahrscheinlich nicht in eine Führungsposition!

00:24:51: Als sie mit dem Wettbürosystem fertig war hat sie sich das dann tatsächlich getraut – und zwar zusammen mit drei Kollegen von Digitronics?

00:24:59: und wieso häufig ist die Idee für das Unternehmen Redactron an einem Küchentisch entstanden….

00:25:05: Sie haben lange überlegt, was ihr Geschäftsmodell sein sollte.

00:25:09: Denn inzwischen gab es ja so einige Big Player wie zum Beispiel IBM die den Markt stark im Griff hatten und gegen die sie zumindest in deren Kernbereichen keine Chance gehabt hätten!

00:25:21: Also haben sie etwas in den Blick genommen an das viele gar nicht gedacht haben nämlich den Beruf der Sekretärinnen In den neunzehntzigern.

00:25:29: da gab es wirklich sehr viele Sekretäre und es wurden immer mehr Das Berufsbild beziehungsweise eher der Arbeitsalltag, der wurde aber nicht effizienter.

00:25:40: Da kann man doch was machen, dachte sich Evelyn Barrison und entwickelte mit ihrem Team die Data Secretary so eine Art Mischung aus Schreibmaschine- und Desktopcomputer.

00:25:51: Wobei es letztere zu der Zeit ja noch gar nicht gab.

00:25:53: also könnte man vielleicht eher sagen so eine art smarte Schreibmachine.

00:25:59: Die Data Secretary ermöglichte es nämlich, getippte Texte zu speichern, zu laden und zu editieren.

00:26:06: Man konnte damit also quasi eine grundlegende Textverarbeitung betreiben – aber das Ganze ohne Monitor!

00:26:13: Man konnte kleine Kassetten nutzen um Textes zu speichern und man konnte zum Beispiel auch Dokumente von so einer Kassette ausdrucken bzw automatisch tippen lassen.

00:26:25: Ende neunzehntneinundsechzig haben sie gegründet und neunzentseinundsiebzig haben Sie ihr erstes Gerät verkauft.

00:26:31: Und das Ganze wurde ein großer Erfolg, auch wenn sie auf dem Weg dorthin noch allerlei Hürden zu bewältigen hatten!

00:26:38: Sie mussten zum Beispiel ihren eigenen Mikroprozessor entwickeln – weil z.B.

00:26:43: Intel die zu der Zeit gerade Ihren ersten Prozessor Marktreif machten, erst noch nicht so weit waren und dann zu wenig Produktionskapazität hatten... Im selben Jahr wurde Evelyn Barrison durch das Business Week-Magazin als eine der einhundert erfolgreichsten Geschäftsfrauen der USA ausgezeichnet.

00:27:12: Sie wurde dreiundneunzig Jahre alt und ist im Jahr zwanzigzwanzig postum in die National Inventors Hall of Fame der USA aufgenommen worden Unter anderem auch wegen der dreizehn Patente, die sie im Laufe ihres Lebens angemeldet hatte.

00:27:46: Das war die achtundsechzigste Folge Informatik für die moderne Hausfrau!

00:27:52: Wenn euch dieser Podcast gefällt dann abonniert ihn doch bitte und hinterlasst eine positive Bewertung oder eine kurze Rezension.

00:27:59: Damit helft ihr dem Podcast um natürlich mir sichtbarer zu werden und ein größeres Publikum zu erreichen.

00:28:06: Rezensionen könnt ihr zum Beispiel bei Apple Podcasts schreiben oder auf panoptikum.social.

00:28:13: Wenn ihr die Produktion des Podcasts finanziell unterstützen möchtet, dann geht das über die Plattform Steady.

00:28:19: Dort könnt ihr z.B für fünf Euro im Monat einen Feed kaufen und mit dem Podcatcher eurer Wahl die werbefreien Folgen anhören.

00:28:27: Ihr könnt euch dort auch für ein anderes Abo entscheiden.

00:28:29: Dann bekommt ihr zusätzlich noch eine Retro-Tasse mit dem Podcast Logo als Dankeschön.

00:28:35: Alternativ könnt ihr mir auch über die Plattform Kofi, wie der Name schon nahelegt einen Kaffee spendieren bzw.

00:28:41: ein bisschen was in den Hut werfen!

00:28:43: Alle Informationen dazu findet ihr auf informatik-hausfrau.de unter der Rubrik unterstützen oder in den Showloads.

00:28:52: Wenn ihr Kontakt zu mir aufnehmen wollt dann könnt ihr das über Social Media tun.

00:28:56: Auf BlueSky und Instagram findet ihr dem Podcast unter dem Handel Informatik Frau alles zusammengeschrieben.

00:29:04: Alternativ könnt ihr auch meinem persönlichen Account folgen, also ohne direkten Bezug zum Podcast und zwar unter dem Handel.

00:29:10: Lea Schönberger alles zusammengeschrieben mit OE auf BlueSky und Mastodon.

00:29:15: Und als lea.schlauberger auf Instagram und TikTok!

00:29:19: Wenn ihr selbst Informatikerinnen seid oder mit Informatik zu tun habt und gerne mit mir im Podcast über ein Thema sprechen würdet das euch am Herzen liegt dann schreibt mir doch eine Mail an mailadinformatik-hausfrau.de.

00:29:33: Auch allen anderen Hörerinnen steht dieser Kommunikationskanal natürlich für Feedback- und Themenvorschläge zur Verfügung.

00:29:41: Danke fürs Reinhören, hoffentlich bis zum nächsten Mal!

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